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Geschichten aus Basel

Missverstanden

Der Mensch ist ein Nomade. Zu Urzeiten war es normal, sich irgendwo niederzulassen um dann, wenn alle Gräser abgefressen und alle Mamuts gegrillt waren, weiterzuziehen. Heute ist das total anders, aber in unserem Innern sind wir immer noch Mamut jagende Urmenschen.

Deswegen können wir nicht anders und müssen von Zeit zu Zeit weiter ziehen. Ich erinnere mich noch gut an eine Begebenheit mit meiner Frau. Wir zogen aus der Ostschweiz in die Region Basel und schauten uns Wohnungen an. In Riehen, nahe des Friedhofs, befand sich so eine Wohnung. „Dörte isch es schö ruhieg!“, meinte meine Allerliebste in ihrem allerliebsten St.Galler-Dialekt und wir trafen den Hausverwalter. Dieser war in einen grauen Arbeitskittel gehüllt, hatte eine Mütze auf und trug eine etwas altmodische Hornbrille. Er entsprach voll und ganz dem Gliche eines Hauswartes. Bereitwillig zeigte er uns die leere Wohnung, die vermutlich seit den 70-er Jahren nicht mehr aufgefrischt wurde. Da Frauen -meine ist da keine Ausnahme- in der Regel sehr heikel sind, wenn es um den Zustand des WC’s geht war meine Allerliebste etwas schockiert. Die Farbkombination Orange-Braun an den Wänden und am Boden löste bei ihr etwas Unbehagen aus. Deshalb fragte sie den Hausmeister: „Wa isch planet? Wird da do no renoviert?“ Der Hauswart schaute meine Frau lange an, sagte nichts und blickte schliesslich zu mir: „Was het die jetzt gseit?“ Offenbar stand er mit dem Ostschweizer-Dialekt und den Umgangsformen auf Kriegsfuss. Meine Frau verliess mit einem vielsagenden Blick die Toilette, während ich dem Mann ins Baseldeutsche übersetzte.

In der Küche angelangt wiederholten sich die Farben an den Wänden und die Fragen meiner Frau: „Wird do no öbbis gschtriche, oder usgwechslet, da sieht jo scho es bitzli verlebt us.“ Nun war der Hauswart schnell. Er schaute mich an und meinte etwas genervt: „Ich verstand die eifach nit!“ Meine Allerliebste verstand hingegen sofort und verliess die Wohnung, blieb am Eingang kurz stehen, drehte sich um und sagte zu mir: „Du chasch dem Typ sege, die isch gange!“ Auf die Übersetzung verzichtete ich und verabschiedete mich vom Graukittel, der ratlos in der Wohnung zurück blieb.

Im Auto regte sich meine Frau tierisch auf. Ihre ostschweizer Flüche musste sie mir auch übersetzen. Sie war empört darüber, dass der Hausmeister sie in dritter Person angesprochen hatte. Später beruhigte sie sich und fand die Lage der Wohnung sowieso nicht optimal: „Weisch, da isch mir znöch am Friedhof. Wenn du de gstorbe bisch will ich dich nöd als Nobur ha!“ Ich regaierte nicht sonderlich überascht und meinte nur: „Was het jetzt die gseit? Ich verstand die eifach nit!“