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Geschichten aus Basel

Liefern auf Bestellung

Auch Hunde kennen Erfolgsdruck. Wir Menschen nennen das „Gassi gehen“

Während des Corona-Lockdowns erfuhren Firmen, die Dinge auf Bestellung liefern einen regelrechten Boom. Aber ich will hier über eine andere „Lieferkette“ sprechen.

Meine Allerliebste Frau und ich sind stolze Eltern. Hundeeltern. Zwei Altdeutsche Möpse wohnen bei uns. Wer Möpse kennt weiss, dass wir eher bei ihnen wohnen. Aber auch das soll hier nicht das Thema sein.

Grund dieser Geschichte ist die tägliche „Lieferung“, die unsere Hunde am Morgen und zwei bis dreimal danach im Laufe des Tages „ausliefern“ sollen. Viellicht wissen Sie schon was ich da anspreche? Genau! Das Gassi-Gehen. Genauer gesagt, die Hinterlassenschaften bei diesen Rundgängen. Man sieht es schon ihren Gesichtern an, wenn man am Morgen aufsteht und das Zauberwort ausspricht: „Adda goh!“. Ihre Augen werden gross und rund und die Ohren schiessen in den Himmel. Ich rede mir dann jeweils ein, dass ihre süssen Gesichter Freude ausstahlen, aber vielleicht ist es auch nur die nackte Panik. Schon oft habe ich mir vorgestellt wie es ist, wenn jemand anderer sagt, wann ich auf die Toilette darf und wann nicht. Ich hatte deswegen schon Albträume. Da lag ich im Bett und ein grosser Hund reisst mich aus dem Schlaf, streift mir ein Halsband über und jagt mich bei Regenwetter vor die Türe. Da soll ich dann – so bald wie möglich – meine Geschäfte erledigen. Auch dann, wenn die Blase und der Darm so leer sind, wie die Fussballstadien an der letzten Europameisterschaft …ehm…nein…kein gutes Beispiel. Egal. Auf Bestellung etwas ausliefern, was nicht vorhanden ist, kann grossen Stress auslösen. Unseren beiden Möpsen ist dieser Stress manchmal anzusehen. Ich, mit der Robidog-Tüte in der Hand und vor mir ein gestresster Hund mit grossen Augen.

Weshalb ich aber diese Geschichte aufschreibe. Egal in welcher Verfassung, egal bei welchem Wetter und gleichgültig um welche Zeit. Unsere beiden Fellträger liefern immer pünktlich und in gewünschter Menge. Da könnten sich einige Lieferdienste eine Scheibe abschneiden, denn auf die letzte bestellte Pizza vor drei Tagen warten wir noch immer.

Von Renato Salvi

Seit 1988 freier Schauspieler, Autor und Theaterproduzent. Nun Busfahrer bei der BVB und das ist gut so!

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