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Geschichten aus Basel

Scherben bringen Glück?

Warum zerdeppert man Flaschen auf dem Boden? Bringen solche Scherben wirklich Glück?

Ich glaube nicht, dass jedes Sprichwort tatsächlich eine Wahrheit birgt. „Scherben bringen Glück“ schubladisiere ich eher in die Kategorie „Wunsch“. Nach dem man Scherben gemacht hat, muss es ja mal wieder Glück regnen. Wenn ich aber durch Basel spaziere habe ich oft das Gefühl, dass es Leute gibt, die dieses Sprichwort auf die Probe stellen, denn an vielen Orten ist der Boden regelrecht „verglast“, derart viele Scherben liegen rum. Ein Passant wetterte unlängst auf der Pfalz, als er das Scherbenmeer entdeckte: „Basel isch e Schäärbehuffe!“

Tatsächlich fällt mir das auf, seit ich regelmässig mit zwei kleinen Mops-Damen Gassi gehe. Nicht selten wird der Spaziergang so zum Hindernislauf, möchte ich doch verhindern, dass einer meiner Hunde in ein Stück Glas einer zerdepperten Wodkaflasche tritt. Dann brächten diese Scherben alles andere als Glück.

Besonders schlimm ist es nach schönen Abenden – meist Donnerstag, Freitag oder Samstag – da trafen sie sich, die Flaschenkiller zum „Rudelsaufen“ auf der Pfalz oder anderswo. Offensichtlich macht es grossen Spass mit einem erhöhten Alkoholpegel, die leeren Flaschen einfach auf dem Boden zu zerschlagen, statt diese im Abfalleimer zu entsorgen. Irgendwie kann ich mir diese Leute nicht recht vorstellen, die solche Dinge tun und sich dafür nicht schämen. Da muss der „Pegel“ schon recht hoch sein, dass die Hemmschwelle derart ins Bodenlose sinkt.

„Das isch das junge Party-Pack!“, wetterte der besagte Passant weiter und sagte darauf noch Dinge, die ich hier nicht ohne weiteres wiedergeben kann, denn mein „Pegel“ ist noch lange nicht so hoch, dass meine „Hemmschwelle“ dies zulassen würde. Egal wer es ist, von wo er kommt und was sich gerade in seinem Blutkreislauf aufhält. Es ist einfach nur dumm. Oder ein Statement? Die Frau des Passanten war weniger erbost und zeigte sogar Verständnis: „Die junge Lyt vo hyt, die derfe jo äu nyt meh mache. Do lehn die ebbe eso e weeneli Dampf ab…“ Ihr Mann tat das darauf auch und schnaubte seine Gattin an. Dies wiederzugeben erspare ich der Leserschaft, denn auch das war nicht ganz salongfähig.

Egal ob aus Frust, Übermut, Dummheit oder weil man schlicht betrunken und zugedröhnt ist. Solche Scherben bringen nichts. Schon gar kein Glück.

Von Renato Salvi

Seit 1988 freier Schauspieler, Autor und Theaterproduzent. Nun Busfahrer bei der BVB und das ist gut so!

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